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AgTechs und Startups verändern auch die Art, wie unsere Lebensmittel produziert werden. Im Vorfeld der Digital Farming Conference 2019 haben wir mit Lee Greene und Peter Wiedeking vom Foodhub NRW darüber gesprochen, wie Landwirtschaft ressourcenschonender betrieben werden und welche Nischen visionäre Gründer besetzen könnten.

Zur Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zählt auch die Vielfalt der Betriebe

AgTechs und Startups verändern auch die Art, wie unsere Lebensmittel produziert werden. Im Vorfeld der Digital Farming Conference 2019 haben wir mit Lee Greene und Peter Wiedeking vom Foodhub NRW darüber gesprochen, wie Landwirtschaft ressourcenschonender betrieben werden und welche Nischen visionäre Gründer besetzen könnten.

 

Was genau ist die Mission des Foodhub NRW?

Der Foodhub NRW ist eine Innovationsplattform. Unser Ziel ist es, alle AgriFood Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen und Innovation in der Vertikalen zu denken. Innovation wird aktuell noch zu viel in Silos gedacht, aber um die großen Herausforderungen der Branche zu lösen, müssen wir über den Tellerrand hinausschauen. Wir schaffen die Plattform, in der sich Startups, etablierte Unternehmen und Institutionen austauschen können, aber eben auch der Agrarwissenschaftler die Chance hat, mit dem Logistikexperten über die Zukunft des Lebensmittelhandels zu diskutieren. So wollen wir Kooperationen anstoßen –sowohl solche, die kurzfristig Lösungen auf Fragen wie „Wie kaufen wir ein“ geben, als auch Kooperationen, die die großen Herausforderungen wie Nachhaltigkeit und Welternährung in Angriff nehmen.

 

Fördern, Ihrer Meinung nach, innovative Technologien eine nachhaltigere Landwirtschaft?

Innovative Technologien wie Precision Farming und Data Science bieten sicherlich die Möglichkeit Landwirtschaft ressourcenschonender zu betreiben. Wir müssen allerding aufpassen, dass diese Lösungen nicht zu komplex im Management werden oder teuer in der Anschaffung. Wenn nur Großbetriebe an diesen Innovationen teilhaben können, dann schießen wir am Ziel vorbei. Auch – oder besser: besonders – die vielen kleineren Betriebe müssen am technologischen Fortschritt partizipieren können. Denn die Realität der globalen Landwirtschaft ist eine der Kleinbetriebe. Zu Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zählt auch eine Vielfalt der Betriebe.

 

In welchen Technologien sehen Sie die größten Potentiale für die Zukunft?

Lösungen, die mittelständische und kleine Betriebe entlasten, die ihnen einen Grad von Automation ermöglichen und Effizienzgewinn. Sicherlich werden auch Lösungen zur Direktvermarktung eine große Rolle spielen oder Technologien, mit denen Landwirte ihre Erzeugnisse hofnah weiterverarbeiten können.

 

Welche Märkte und Nischen können – aus Ihrer Sicht – noch gewinnbringend besetzt werden?

Besonders im Bereich der alternativen Proteinquellen ist noch ganz viel Musik drin. Insekten werden kommen – wenn nicht sofort als Verkaufsschlager beim Endkonsumenten, dann sicherlich in einem ersten Schritt als Tiernahrung, als Alternative zu Soja. Wie viele Player beschäftigen sich gerade damit, die optimalen Technologien zur Insektenzucht in Deutschland zu entwickeln? Da kann noch viel, viel mehr passieren. Die Algenzucht wird sicher noch ein großes Thema. Da ist eines unserer Mitglieder PHYTOLINC ja sehr aktiv. Sie entwickeln einen neuen Mikroalgenreaktor. Aber auch klassische Feldfrüchte wie alternative Leguminosen und Quinoa bieten großes Potential. Nichts davon passiert von jetzt auf gleich, denn bei all diesen Produkten braucht es Pioniere, die erst erarbeiten wie diese Produkte wettbewerbsfähig in Deutschland angebaut bzw. gezüchtet werden können. Wir können nur sagen: machen!

 

Welchen regionalen Herausforderungen begegnen Sie?

Die großen Herausforderungen unterscheiden sich in NRW nicht wirklich von denen in anderen Regionen Deutschlands. Das Thema regionaler Vermarktung, Optimierung von Lieferketten innerhalb einer Region, vom Saatgut zum Futter zur Verarbeitung zum Kunden, das ist ein Thema, da besteht unserer Ansicht nach noch ganz viel Potential für pfiffige Innovatoren.

 

Wo sehen Sie die Landwirtschaft in zehn Jahren?

Die industrielle Landwirtschaft, wie wir sie kennen, hat sich nun seit 70 Jahren verfestigt. Sicherlich werden wir in zehn Jahren Effizienzen gehoben und auch die ein oder andere ökologische Untat erkannt und abgestellt haben. Aber das sich die so gewachsenen Strukturen in zehn Jahren umschweifend ändern, das sehen wir mit einer gesunden Portion Skepsis. Was wir im ersten Schritt erstmal schaffen müssen ist es, ein globales Mindset zu entwickeln, nach links und rechts gucken, über Grenzen hinweg und eine Vision für die deutsche Landwirtschaft als Teil einer europäischen und globalen Landwirtschaft entwickeln. Vielleicht schaffen wir ja in zehn Jahren, einen strategischen Plan. Das wäre ein klasse Ergebnis.

 

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