NEWS

Zur Digital Farming Conference haben wir Dr. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Bündnis90/Die Grünen, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur & Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, Fragen über die großen Herausforderungen und Chancen für die (digitale) Zukunft der Agrarwirtschaft gestellt.

Drei Fragen an: Dr. Robert Habeck

Zur Digital Farming Conference haben wir Dr. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Bündnis90/Die Grünen, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur & Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, Fragen über die großen Herausforderungen und Chancen für die (digitale) Zukunft der Agrarwirtschaft gestellt.

Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen wir nach Ihrer Auffassung für eine digitalisierte Landwirtschaft?

Zunächst gilt, was für viele Bereiche gilt: Erstens brauchen Landwirte schnelles Internet. Ohne eine solche Infrastruktur nützt die schönste digitale Technik nichts. Auf der anderen Seite, je detaillierter Landwirte die Daten ihres Betriebs, ihrer Böden, ihrer Wirtschaftsweise erfassen und digitalisieren, desto gläserner werden sie. Das verlangt wie in vielen andere Bereiche ein hohes Maß an Datenschutz und IT-Sicherheit. Hier ist eine Regulierung auf nationaler, noch besser europäischer Ebene gefragt. Hinzu kommt, dass durch anstehende Fusionen wie Bayer mit Monsanto Landwirte in der gesamten Produktion – von der Saat über die Ernte – abhängig werden von wenigen großen Konzernen. Diese halten dann möglicherweise eines Tages die Daten der Landwirte in der Hand. Da stellt sich schon die Frage, wie sehr sind die Landwirtinnen und Landwirte dann eigentlich noch eigeneständig? Auch hier darf die Politik nicht einfach dran vorbeischauen.. 

Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft in ihrer digitalen Transformation?

Vor enormen. Einerseits bietet die Digitalisierung viele Chancen: Betriebe können durch Technik umweltschonender wirtschaften - zum Beispiel genau passend düngen, wie der Boden und die Pflanze es an einem ganz bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit brauchen, nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Auch bei der regionalen Vermarktung und der Direktvermarktung kann die Digitalisierung viel bewirken, weil Produktion und Verbrauch kleinräumiger, bedarfsgerechter und weniger anonym koordiniert werden können.

Aber es gibt eben auch die andere Seite: Zum einen ändert sich das Berufsbild der Landwirte rasant – und damit vielleicht auch das Selbstverständnis. Bäuerinnen und Bauern werden womöglich zum Programmierer, Computerexperten und Daten-Jongleur. Damit wird sich der Beruf weiter akademisieren. Immer mehr Hofnachfolger wollen ein Agrarstudium machen, Beratung und „Kopfdünger“ werden immer wichtiger. Und: Digitalisierung kostet und erfordert in vielen Bereichen einen hohen Kapitalbedarf. Ein vollautomatischer Mähdrescher kostet mal eben mehr als 200.000 Euro, ein Melkroboter je nach Größe genauso viel. Ein Güllewagen der neusten Bauart ist da mit 100.000 Euro schon fast billig – und so weiter. In dem diese Technik sich wie jede Technik bisher durchsetzt, wird sie ohne Frage den Strukturwandel weiter vorantreiben.

Und das zusammengenommen bedeutet auch einen großen Druck für die Landwirte. Es besteht daher die Gefahr, dass die Digitalisierung insgesamt nicht zur Arbeitsentlastung führt, sondern zu einer erhöhten mentalen und psychischen Belastung.

Wie kann sichergestellt werden, dass Landwirte von heute und morgen digital gewappnet sind?

Wir müssen die beschriebenen Gefahren ernst nehmen. Wenn wir nur in blinden Jubel ausbrechen und sagen „digital zuerst“, werden wir der Aufgabe nicht gerecht. Es gilt in die verschiedenen Beratungs- und Ausbildungsinstitutionen ausdrücklich auch die digitale Kompetenz aufnehmen. Wir werden politisch den Prozess gestalten müssen, sonst gibt allein die Wirtschaft den Takt vor.

Im Übrigen kommt auch auf die staatliche Agrarverwaltung einiges zu, wobei wir in Schleswig-Holstein hier schon vergleichsweise weit sind. Die seit 2016 genutzte elektronische Antragstellung zur Beantragung der Flächen in georeferenzierter Form wird im Zuge der für 2020 avisierten neuen EU-Agrarpolitik ausgebaut. Insgesamt müssen wir die Dokumentationsanforderungen an die Landwirtschaft aber weiter vereinheitlichen und effizienter organisieren.

Teilen