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Agrarpolitisches Frühstück: Digitalisierung bringt Verbraucher und Landwirte näher zusammen

Ist die Digitalisierung ein Katalysator für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion und werden Verbraucher zu Verbündeten der Landwirte durch mehr Transparenz? Das war eines der großen Themen beim Agrarpolitischen Frühstück, über das Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands und Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom am 15. Januar 2020 diskutierten. Durch die Veranstaltung führte Dr. Julia Köhn, Gründerin und Geschäftsführerin des Startups Pielers.

Unter dem Motto „Digitalisierung in der Landwirtschaft – Chancen für Landwirte und Verbraucher“ wurden die Potentiale einer nachhaltigen, digitalen Landwirtschaft für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen unserer Zeit diskutiert: die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensmittelproduktion, die globale Ungleichheit in der Lebensmittelversorgung und die infrastrukturellen Versorgungslücken im ländlichen Raum. Dabei ging es um die Zukunftsfähigkeit von digitalen Technologien für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit, aber auch um Effizienz und Umweltschutz entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.

 

 

Landwirte und Verbraucher stehen in einem Spannungsfeld. Gerade landwirtschaftliche Betriebe sind von stärkeren Umweltauflagen sowohl wirtschaftlich, politisch als auch strukturell betroffen. Zudem fragen Verbraucher immer stärker nach regionalen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Die moderne Landwirtschaft braucht daher den digitalen Fortschritt. Der Mehrwert der Digitalisierung liegt in den generierten Daten. Auch in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sind Daten ein wichtiges Gut. Es geht um die betriebsübergreifende Aggregation von Daten und Wissen, die die Wirtschaftlichkeit und Transparenz der landwirtschaftlichen Betriebe nachhaltig verbessert. Mit der Frage nach der Datenhoheit geht auch die Akzeptanz für digitale Anwendungen einher. Daten und Digitalisierung haben das Potential, landwirtschaftliche Prozesse effizient und klimafreundlich zu gestalten, aber auch neue Marktplatzmodelle und Vertriebskanäle für die Verbraucher zu entwickeln.

„Digitalisierung ist nicht nur disruptiv, sondern baut eine Brücke“, bekräftigte Dr. Bernhard Rohleder. Es ist eine große Chance für Landwirte mehr Transparenz für die Lebensmittelproduktion zu schaffen. Durch Webcams im Stall oder auf dem Acker beispielsweise wird eine Identifikation zwischen Verbrauchern und landwirtschaftlichen Erzeugnissen bereits in der Produktion hergestellt. Informationen über Regionalität, Produktion und Vertrieb von Lebensmitteln werden digital erfasst und durch Blockchain mit den Verbrauchern ausgetauscht. Über QR-Codes wiederum können Verbraucher ihre Lebensmittel besser zurückverfolgen und die landwirtschaftlichen Betriebe kennenlernen. Dadurch entsteht eine enge Partnerschaft zwischen der Landwirtschaft und seinen Konsumenten. Mit der Digitalisierung wird eine tiefere Verbindung zu den Lebensmitteln und seinen Erzeugern hergestellt. Das schafft Vertrauen und Wertschätzung.

Was sind die großen digitalen Themen der Landwirtschaft in fünf oder zehn Jahren? Datengetriebene Geschäftsmodelle werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Daten, die in der digitalisierten Landwirtschaft unmittelbar entstehen, werden betriebsübergreifend und für alle Akteure zugänglich gemacht. Denn über Daten wird nicht nur die Lebensmittelerzeugung effizienter, sondern auch die Lebensmittelverschwendung reduziert. Ebenso kann dadurch ein bewussteres Verhalten der Verbraucher im Umgang mit Lebensmitteln unterstützt und die Umwelt geschont werden. Die Landwirtschaft hat sich inzwischen zu einer Technologiebranche entwickelt. Bereits die Hälfte der Landwirte setzen digitale Technologien ein, die nicht nur eine ressourceneffizientere und umweltschonende Produktion ermöglicht, sondern auch die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltig verbessert. Die digitale Transformation der Landwirtschaft hat das Potential die technikaffine Generation als Landwirte von morgen zu gewinnen. Über allem steht jedoch die Transparenz: Sie ist Voraussetzung in einer digitalisierten Landwirtschaft, um Landwirte und Verbraucher näher zusammenzubringen.

 

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